Ikone

Es heißt, dass Ikonen Fenster zum Himmel seien und dass sie der Seele des Betrachters Frieden schenken können. Wie ist das gemeint? - Um das zu verstehen und erfahren zu können, bedarf es gewisser Voraussetzungen. Vor allem sollte man sich Zeit zum Betrachten nehmen und die Bereitschaft aufbringen, die Ikonen selbst sprechen zu lassen. Ikonen sind Glaubenszeugnisse, Bild gewordene Theologie, Fenster in eine geistliche Welt. Sie laden ein, hinter die Dinge zu sehen und sich berühren zu lassen von einer Kraft, die aus der Verborgenheit auf uns zu kommt.

Die Christus-Ikone im Paderborner Dom blickt den Betrachter mit einer packenden Eindringlichkeit an. Die frontale Haltung des Pantokrators strahlt eine tiefe Ruhe aus und stellt eine unmittelbare Beziehung zum Betrachter her. Es gibt weder Lichtquelle noch Schatten. Der Pantokrator scheint von innen heraus durchleuchtet zu sein und einen Freiraum des Friedens zu schenken. Still schaut er, wie aus einer anderen Welt - Auge in Auge.

Wir sollten ehrfurchtsvoll vor der heiligen Ikone stehen und abwarten, bis sie uns anspricht und wir ihre Anrede vernehmen können, empfiehlt der große russische Ikonentheologe Fürst Eugen N. Trubetzkoy (1927). Oft gelte es lange zu warten, sagt er, denn die Entfernung von uns zu ihr sei groß.

In der Tat. Wenn dann der „Sturm der Gedanken" nachlässt und sich mit göttlicher Gnade das „innere Auge" öffnet und der Betrachter im Bild dem Bildslosen, in der Gestalt dem Gestaltlosen begegnet, geschieht das Unfassbare, eine Umwandlung von Herz und Sinn.

„Ich sah das menschliche Antlitz Gottes und meine Seele wurde geheilt," sagte der Kirchenvater Johannes von Damaskus (670-750) nach einer solchen Erfahrung.

Und ein anderer Kirchenvater, Ephräm der Syrer († 373), verdichtet in einem Bußgebet jene Haltung, die als Voraussetzung für jede Form von Meditation, für Gebet und Betrachtung gelten kann.

Christus Ikone

Herr und Gebieter meines Lebens:
befreie mich von dem Geist
der Trägheit und des Kleinmuts,
des Stolzes und der Geschwätzigkeit.
Gewähre statt dessen deinem Diener
den Geist der Weisheit und der Demut,
der Geduld und der Barmherzigkeit.
Allmächtiger Gott und Herr,
lass mich meine eigenen Fehler erkennen
und nicht über meinen Bruder urteilen!
Denn gepriesen bist du in alle Ewigkeit!
Amen.

Gebet des Hl. Ephräm des Syrers (+373)

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